

In jedem Betrieb gibt es diese eine Person, die einfach alles weiß. Zum Beispiel, wie ein bestimmter Kunde behandelt werden möchte, welcher Handgriff bei einer Reklamation der richtige ist oder was in einer Preisverhandlung normal ist und was nicht.
Dieses Wissen steht in keinem Handbuch. Es steckt im Kopf von deinem erfahrensten Kollegen, und genau diese sogenannten Babyboomer (geboren 1946 bis 1964) gehen in den nächsten 15 Jahren 13,3 Millionen Personen in Rente. Laut Statistischem Bundesamt sind das bis 2040 also rund 30 Prozent aller heute Erwerbstätigen in Deutschland.
Da stellt sich die Frage, wie man genau deren wertvolle Expertise im Unternehmen halten kann. In diesem Artikel suchen wir zusammen nach Antworten und verraten, wie dir ein neues KI-Feature namens „Record a Skill" dabei helfen kann. Du bist bereit? Dann lass uns loslegen!

Ein Skill ist im Grunde eine gespeicherte Fähigkeit: also eine Anleitung, die eine KI oder ein Agent einmal lernt und danach immer wieder in gleicher Qualität abrufen kann, ohne dass du ihr jedes Mal aufs Neue alles erklären musst. Beispielsweise, wie bei dir im Unternehmen eine Reisekostenabrechnung funktioniert: welche Belege nötig sind, wer sie freigibt und ab welchem Betrag eine zweite Prüfung nötig ist.
Das ist deshalb wichtig, weil eine KI ohne einen solchen Skill eine wiederkehrende Aufgabe jedes Mal ein kleines Stück anders lösen kann, je nachdem, wie du sie gerade formulierst. Mit einem gespeicherten Skill läuft dieselbe Aufgabe dagegen jedes Mal verlässlich gleich ab. Genau das führt zu gleichbleibend guter Qualität, ganz unabhängig davon, wer die KI gerade nutzt.
Bisher hat man einer KI mittels Text erklärt, wie ein Skill funktionieren soll, oder man hat sie es auf Basis von Daten selbst ableiten lassen. Genau das ändert sich jetzt. Mit „Record a Skill" zeichnest du einfach deinen Bildschirm auf, machst eine Aufgabe ganz normal wie immer und erklärst dabei laut, worauf du achtest. Die KI wertet dabei nicht nur die reine Abfolge deiner Klicks und Eingaben aus, sondern auch deinen gesprochenen Kommentar, und leitet daraus ab, an welchen Stellen du eine Entscheidung triffst und warum. Danach kann sie diese Aufgabe künftig selbst übernehmen.
Record a Skill ist also „What you see is what you get", und das ist eine massive Erleichterung, weil du Prozesse viel einfacher zeigen kannst, als sie zu beschreiben. Vor allem für die vielen Mitarbeiter einer Organisation.
Dieser Ansatz ist gerade kein Alleingang eines Anbieters: Sowohl Anthropic mit Claude als auch OpenAI mit Codex zeigen diesen Trend. Bei OpenAI heißt die vergleichbare Funktion „Record and Replay", ist in der EU allerdings noch nicht verfügbar. Auch der Anbieter Loom zieht mit einer eigenen Funktion nach.
Wenn eine Aufgabe einmal aufgezeichnet ist, läuft sie danach jedes Mal gleich ab, ganz gleich, wer sie ursprünglich konnte oder wer gerade Urlaub hat. Was vorher vom Zufall abhing, wer gerade da ist und wie gut er oder sie eingearbeitet wurde, wird zu einem verlässlichen Ablauf. Fakt ist: Die Qualität wird besser.
Diese Rentenwelle ist kein abstraktes Zukunftsszenario, sie läuft bereits. Für dein Unternehmen heißt das wahrscheinlich: Ausgerechnet die Kollegen, die am längsten dabei sind und am meisten wissen, gehen in den nächsten Jahren in Rente. Und mit ihnen geht Wissen, das nie aufgeschrieben wurde. Wenn diese Person das Unternehmen verlässt, fehlt nicht nur eine Arbeitskraft. Es fehlt jemand, der einfach weiß, wie es geht.
Ein sehr bekannter Küchenhersteller hat genau dieses Problem. Dort gibt es einen einzigen Mitarbeiter, der die perfekten Holzfurniere auswählt, also entscheidet, welche Bäume für die Edelküchen zum Einsatz kommen und welche nicht. Kein Regelwerk, nur richtig viel gute Intuition.
Intern nennen sie diesen Kollegen „Herrn Holz". Und die Firma hat längst erkannt: Wenn Herr Holz geht, haben sie ein massives Problem.
Viele Unternehmen versuchen das schon lange in den Griff zu bekommen, meist über Interviews oder schriftliche Dokumentation. Beides hilft nur begrenzt.
Interviews helfen wenig, weil erfahrene Mitarbeiter oft selbst nicht genau sagen können, warum sie etwas so machen, wie sie es machen. Es ist Bauchgefühl, keine feste Regel, die sich einfach aufschreiben lässt.
Dokumentation hilft auch nur bedingt, aus zwei Gründen. Erstens ist sie so gut wie nie aktuell, Prozesse ändern sich schneller, als jemand Zeit findet, sie neu aufzuschreiben. Zweitens landet dort meistens nur das Offensichtliche. Die eigentliche Abwägung dahinter, warum sich jemand in einem Zweifelsfall so und nicht anders entscheidet, fehlt fast immer.
Genau das ist der Grund, warum „Record a Skill" interessant ist. Beim Vormachen und lauten Erklären kommt automatisch mehr von diesem Erfahrungswissen mit, als bei einem Interview oder einer Dokumentation. Ein verwandter Ansatz, der parallel diskutiert wird, ist die sogenannte Skill-Inferenz: Dabei wertet eine KI die digitalen Spuren aus, die jemand ohnehin hinterlässt, etwa in E-Mails oder Dokumenten, um Entscheidungsmuster indirekt abzuleiten. „Record a Skill" macht diesen Umweg überflüssig, weil das Wissen direkt beim Vormachen entsteht.
Dahinter steckt etwas, das Forscher das Hayek-Problem nennen, benannt nach dem Ökonomen Friedrich Hayek. Kurz gesagt: Wissen in einem Unternehmen liegt nicht an einer zentralen Stelle. Es ist verteilt, auf viele einzelne Köpfe, wie den besagten Herrn Holz oder deinen erfahrensten Kollegen.
Ein Forscher der Wharton-Universität, Ethan Mollick, hat genau das kürzlich zugespitzt: Krebs zu heilen sei vermutlich einfacher, als eine große Beratungsfirma wie Accenture komplett durch KI zu ersetzen. Das überrascht auf den ersten Blick, weil Beratung reine Kopfarbeit ist, eigentlich die Paradedisziplin für KI.
Der Unterschied liegt aber genau im Hayek-Problem: Bei Krebs gibt es klare, saubere Daten, Millionen Patientenwerte und Studien, mit denen ein Modell rechnen kann. Ein Unternehmen ist dagegen keine saubere Datenbank. Sein Wissen steckt in tausenden Einzelentscheidungen und Erfahrungswerten, die nie zentral gesammelt wurden, und genau das kann kein Modell einfach durchrechnen, egal wie leistungsfähig es ist.
Für dich heißt das: Die eigentliche Grenze für KI liegt nicht bei der Intelligenz eines Modells, sondern bei dem, was dein Unternehmen überhaupt sichtbar macht. Genau deshalb lohnt es sich, Wissen wie das von Herrn Holz greifbar zu machen, bevor man fragen kann, was eine KI davon übernehmen könnte.
Ein guter erster Schritt ist klein und konkret. Schau dich in deinem eigenen Unternehmen um: Wo hängt besonders viel an einer einzelnen Person? Wo dauert die Einarbeitung neuer Leute besonders lange? Wo wird es eng, sobald jemand krank ist oder Urlaub macht?
Bei uns im Content Marketing von LOAI wäre so eine Aufgabe zum Beispiel die Themen- und Quellen-Recherche. Also wie man entscheidet, ob eine Quelle seriös genug ist, wann man lieber weiter sucht, statt eine Zahl einfach zu übernehmen und wie man mit widersprüchlichen Angaben umgeht. Genau diese Entscheidungslogik ist nirgendwo aufgeschrieben, sie variiert von Fall zu Fall und es wäre beispielsweise schwierig, wirklich alle Details in einem Interview aufzuzählen.
Die Babyboomer gehen. Das ist bekannt. Weniger beachtet wird, was mit ihnen geht: nicht nur Arbeitskraft, sondern Erfahrungswissen, das nie vollständig aufgeschrieben wurde.
„Record a Skill" löst dieses Problem nicht auf einen Schlag. Aber es zeigt, wohin die Entwicklung geht: weg vom mühsamen Beschreiben, hin zum einfachen Vormachen.
Die wichtigste Frage für dich lautet deshalb nicht mehr nur: Welche Aufgaben kann eine KI übernehmen? Sondern: Welches Wissen solltest du festhalten, bevor es mit einer Person dein Unternehmen verlässt?
Wer diese Frage für sich beantworten will, kommt an einer strukturierten KI-Einführung im eigenen Unternehmen nicht vorbei. Zwei passende Programme dafür findest du bei Leaders of AI. Im „AI Integration Expert" lernst du Schritt für Schritt, wie du KI-Agenten in deinen Arbeitsalltag einbaust.
Im „Master Business with AI (MBAI®)", einem Programm mit Hochschulzertifikat der Hochschule Fresenius, lernst du, wie du KI strategisch für dein ganzes Unternehmen nutzt.
Hansi
KI-Copywriter im Team von 'Leaders ofAI'